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Regelmäßig stellen wir fest, dass die Thematik der Lieferschwellen vielen Online-Händlern nicht oder nur unzureichend bekannt ist.

Daher soll in diesem Beitrag zunächst einmal geklärt werden, worum es sich bei diesen Lieferschwellen überhaupt handelt.

Was sind Lieferschwellen genau?

Bei der Versandhandelsregelung handelt es sich um ein umsatzsteuerliches Prinzip innerhalb der EU, das in Deutschland im § 3c UStG geregelt ist. Diese Regelung besagt, dass Warenlieferungen an Privatpersonen (B2C) im EU-Ausland nur bis zum Erreichen eines, vom Zielland festgelegten, Schwellenwertes im Absenderland zu versteuern sind. Steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferungen (B2B) sind hier ausgenommen.

Wird dieser Schwellenwert überschritten, ist eine steuerliche Registrierung im Zielland erforderlich. Die Umsatzsteuer für diese Lieferung muss ab Überschreitung des Schwellenwertes nicht mehr im Absenderland, sondern im Zielland abgeführt werden.

Ausschlaggebend für diesen Wert ist der Gesamtbetrag der Entgelte. Dieser setzt sich aus der Gesamtsumme der Lieferung, also Warenwert zuzüglich Versand- und Nebenkosten, jedoch abzüglich der Umsatzsteuer zusammen. Im Regelfall kann daher vom Nettobetrag der Rechnung gesprochen werden.

Versand aus Deutschland nach Österreich
Versand aus Deutschland nach Österreich

Aber was bedeutet das in der Praxis?

Als deutscher Online-Händler kommt man im Regelfall als erstes mit der Lieferschwelle Österreichs in Kontakt, da deutschsprachige Onlineshops oder Marktplätze natürlich insbesondere von Käufern aus Deutschland und Österreich besucht werden.

Die Lieferschwelle für Österreich liegt aktuell bei 35.000 Euro netto (Gesamtbetrag der Entgelte) pro Kalenderjahr.

Tätigt ein deutscher Händler grenzüberschreitende Lieferungen im Wert von 34.950 Euro netto aus Deutschland (oder anderen EU-Staaten) nach Österreich, muss die Umsatzsteuer regulär in Deutschland abgeführt werden.

Versand aus Deutschland 34.950
Versand aus Deutschland in Höhe von 34.950 Euro netto

Geht nun im laufenden Kalenderjahr eine weitere Bestellung in Höhe von 60 Euro netto ein, wird mit dieser der Schwellenwert überschritten. Daher unterliegt diese Rechnung (und alle weiteren im selben Kalenderjahr) nun der österreichischen Umsatzsteuer in Höhe von 20 Prozent.

Es ist also erforderlich, dass diese Steuer auch auf der Rechnung ausgewiesen wird. Bei Waren, die in beiden Ländern dem regulären Steuersatz unterliegen, wären dies derzeit für Österreich 20 Prozent Umsatzsteuer anstelle des deutschen Umsatzsteuer-Satzes von 19 Prozent.

Versand aus Deutschland 35.100
Versand aus Deutschland in Höhe von 35.100 Euro netto nach Österreich

Auf Rechnungen mit einer Lieferanschrift in Österreich muss ab dem Zeitpunkt der Lieferschwellenüberschreitung die österreichische Umsatzsteuer-Identifikationsnummer aufgedruckt werden. Ebenso sollte ein Hinweis erscheinen, dass österreichische Steuer ausgewiesen wird.

In diesem Beispiel würde sich auch der Gewinn entsprechend verringern. Auf Marktplätzen wird Ware im Regelfall zum Bruttopreis gelistet, der sich nicht automatisch auf Basis der Lieferanschrift des Käufers anpasst. Ist nun der Steuersatz im Zielland höher als im Absenderland des Händlers, bleibt entsprechend weniger netto übrig.

Für welchen Zeitraum ist man nach Überschreitung im Ausland steuerpflichtig?

Wurde der Schwellenwert in einem Jahr überschritten, besteht automatisch für das Folgejahr eine Steuerpflicht im Zielland. Erst wenn die Schwelle ein gesamtes Kalenderjahr nicht überschritten wurde, gilt in dem darauffolgenden Jahr wieder der Steuersatz des Absenderlandes.

Alternativ gibt es nach § 3c Abs. 4 UStG die Option, sich freiwillig der Umsatzsteuer des Ziellandes zu unterwerfen. Wird diese Option des Lieferschwellenverzichts gewählt, ist diese Entscheidung für die nächsten zwei Kalenderjahre bindend.

Welche Lieferschwellen gelten in der EU?

Jeder Staat kann seine eigene Lieferschwelle festlegen. Grundsätzlich hat die EU definiert, dass die Höhe der Lieferschwelle bei 100.000 Euro netto liegt. Wenn ein Mitgliedsstaat dies jedoch aus wirtschaftspolitischer Sicht rechtfertigen kann, darf der Grenzwert auf 35.000 Euro netto abgesenkt werden. Zuletzt hat Frankreich sich für diesen Weg entschieden und zum1.1.2016 die Lieferschwelle von 100.000 Euro netto auf 35.000 Euro netto angepasst.

Seitdem gilt nur noch in Deutschland, Luxemburg und den Niederlanden eine Lieferschwelle von 100.000 Euro netto.

Nachfolgend eine Auflistung der aktuell gültigen Schwellenwerte (Stand November 2019, alle Angaben in Netto):

aktuell gültige Schwellenwerte

Was ist bei Überschreiten der Lieferschwellen zu beachten?

Da die Steuerpflicht im Zielland mit der Bestellung entsteht, die den Schwellenwert überschreitet, sollte man die relevanten Auslandsumsätze stets im Blick behalten.

Die Umsatzsteuer-ID sollte erfolgen, sobald eine Überschreitung absehbar ist und nicht erst, wenn es bereits zur Überschreitung kam, da die Erteilung je nach Land mehrere Wochen dauern kann. Letzteres kann vermeidbare Korrekturen an bereits erstellten Rechnungen zur Folge haben.

Auch sollten Sie sich mit Ihrem Steuerberater besprechen, inwiefern Sie selbst oder Ihr Steuerberater, die Steuererklärung für das Zielland erstellen kann. Dies ist in einigen Ländern nicht möglich, da hier die Abgabe der Erklärung durch einen sogenannten Fiskalvertreter erfolgen muss. Dabei kann es sich zum Beispiel um einen Steuerberater aus dem Zielland handeln.

Wie kann mir easybill bei diesem Prozess helfen?

Die Überwachung der Lieferschwellen wird häufig vom Steuerberater übernommen. Allerdings stehen diesem die Daten nicht tagesaktuell zur Verfügung. Meist erfolgt die Übergabe an den Steuerberater rückwirkend für den Vormonat, wodurch eine Überschreitung der Lieferschwelle zu spät erkannt werden würde. Auch hier wäre die Folge, dass Rechnungen korrigiert werden müssten.

Der easybill Import Manager, über den eine Vielzahl an Onlineshops und -Marktplätzen angebunden werden kann, bietet daher mit der Lieferschwellenüberwachung eine hilfreiche Unterstützung.Auf Basis von Absender- und Zielland erhalten Sie hier stets die aktuellen Zahlen und können sich bei Erreichen von 90 Prozent des Schwellenwertes per E-Mail warnen lassen. Außerdem erstellen wir für jedes Zielland eine Hochrechnung, um zu prognostizieren, ob und gegebenenfalls zu welchem Zeitpunkt es im aktuellen Jahr zu einer Überschreitung kommen wird.

Wurde eine Schwelle überschritten, kann dies ebenfalls im System hinterlegt werden, um bei Rechnungserstellung direkt den korrekten Steuersatz ansetzen zu lassen. Ein automatischer Aufdruck der jeweils korrekten Umsatzsteuer-ID ist ebenfalls möglich.

Auch Sonderfälle, wie beispielsweise Waren, die in einem Land unter den regulären Steuersatz fallen, in einem anderen Land allerdings dem ermäßigten Satz unterliegen, können abgebildet werden.

Über den Autor:

Benjamin Klein easybill GmH

Benjamin Klein ist Key Account Manager und Content Manager bei der easybill GmbH. Seit 2013 im Unternehmen, betreut er Kunden vom Erstkontakt mit der Software bis hin zu detaillierten Einstellungen. Zusätzlich hat er sich in den Bereich Content Management eingearbeitet und ist für den easybill Blog und Newsletter zuständig.

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